Und noch einmal – Mark Rashid – England 2006

Ein Kurs-Reise-Bericht

Nach 4-jähriger „Rashid-Pause“ zog es mich nun doch wieder zu einem Kurs, den Mark Rashid abhielt, diesmal in England.

Unterschiedliche, teilweise auch negative Kommentare zu meinen Berichten in der Western News und auf meiner Homepage haben mich neugierig gemacht. Hat Rashid sein System verändert? Ist er, wie viele andere, vom einfühlsamen Horseman, den ich kannte, zum profitgierigen Showman mutiert? Um Antworten auf diese Fragen zu finden und natürlich in der Hoffnung, dass dem nicht so war, buchte ich bereits im März Flug und Leihwagen um an einem der 3 Kurse, die im November 2006 in England geplant waren teilzunehmen.

Montag, den 13. November, 20 Stunden vor dem Abflug, kam dann noch eine unangenehme Überraschung auf mich zu, als meine Mitreisende kurzfristig aus privaten Gründen absagte. Was tun? Ebenfalls daheim bleiben und alle bereits entstandenen Kosten einfach abschreiben? Die Chance, Rashid in Europa zu sehen und mein eigenes Horsemanship zu verbessern nicht nutzen? Keine Antworten auf meine Fragen zu erhalten? Das kam für mich eigentlich nicht in Frage. Der Gedanke, in England, im Linksverkehr und ohne vorhandenes Kartenmaterial (dieses hätte meine Begleiterin organisieren sollen) allein unterwegs zu sein, dämpfte meine Vorfreude auf eine interessante Woche erheblich.

Pferde haben VorfahrtDie Lösung für dieses Problem fand sich jedoch rascher als erwartet. Die Spontaneität meiner Tochter Andrea und ihrer Freundin Susanne Müller von der Paint Horse-Zucht Zeisenbühel überraschte und freute mich mehr als alles andere. Die beiden erklärten sich sofort bereit mitzukommen und innerhalb von dreißig Minuten waren ihre Urlaube durchgesetzt und Flüge im Internet gebucht, zwar über Amsterdam, aber immerhin fast zeitgleich mit meinen eigenen Flügen. Die beiden kannten Mark Rashid nur aus meinen Schilderungen und so hoffte ich nun inständig, dass sie seine Methode genauso schätzen würden wie ich.

Typische HäuserfrontDienstag, sehr früh am Morgen war es dann soweit. Die beiden flogen vor mir ab und landeten etwa 2 Stunden nach mir in Heathrow. Während der Wartezeit konnte ich die Formalitäten für unseren Leihwagen erledigen und Reiseführer und Straßenkarte organisieren. Unmittelbar nach Andreas und Susis Ankunft ging es dann auch gleich los Richtung Watford, ca. 40 km nordwestlich von London – zum Kursort. Schon bei der Fahrt dorthin wusste ich – alleine wäre dieses Unternehmen eine ganz schöne Herausforderung gewesen, rechts sitzen, links schalten, Karte lesen, links fahren, Wegweiser und Verkehrsschilder beachten, …eigentlich fast unmöglich! – und erst die Zimmersuche. Weit und breit nichts brauchbares zu finden. Entweder superfein und sündhaft teuer oder zwar erschwinglich aber schlichtweg inakzeptabel. Wir suchten stundenlang, bis wir 25 km von Watford entfernt eine geeignete Bleibe fanden. Übrigens die beste, die wir im Verlaufe unserer Reise finden sollten. Denn die Zimmersuche bei unserem an den Kurs anschließenden Abstecher an die Südküste Englands gestaltete sich auch nicht einfacher.

Der Kurs war von Amanda Barton auf einer der reichlich vorhandenen, großzügigen Reitanlagen organisiert worden. Es gab zwei Hallen, wobei eine davon ausschließlich für den 4-tägigen Kurs freigehalten worden war. Die Plätze auf der Zusehertribüne unter den Heizstrahlern waren sehr gefragt und das Buffet war während der kurzen Mittagspausen zwecks Aufwärmens und Stärkens bestens besucht.

Wie gewohnt hatte Mark wieder „seinen“ Chiropraktiker Dr. David Simons dabei, der die teilnehmenden Pferde einem Gesundheitscheck unterzog. Außerdem wurde Mark von Kathleen Lindley unterstützt, die mit den Teilnehmern entweder vor oder nach ihrer Rashid-Session je nach Bedarf das Gelernte festigte. 8 Kursteilnehmer trainierten jeweils 1 Stunde täglich mit Mark und ca. 1 Stunde mit Kathleen. Und wie erwartet, gab es deutliche Fortschritte bei der Aufarbeitung der unterschiedlichsten Probleme der einzelnen Teilnehmer zu beobachten. Ob Schwierigkeiten mit dem Versammeln, Angaloppieren, Seitengängen oder Unklarheiten zwischen Mensch und Pferd vom Boden aus, jeder Teilnehmer erhielt die Hilfe, die ihn der Lösung seines Problems näher brachte.

Besonders beachtet wurde die Beinfolge der Pferde in den einzelnen Gangarten, um die Hilfen zum für das Pferd bestmöglichen Zeitpunkt zu geben – nämlich dann, wenn das Pferd auch die Möglichkeit hat, der Hilfe Folge zu leisten. Diesen richtigen Moment zu nutzen wirkt sich vor allem auf Gangartenwechsel, Wendungen und Seitengänge positiv aus.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Sitzkontrolle. Einige Teilnehmer wurden darauf aufmerksam gemacht, wie ihr steifer oder schiefer Sitz ihr Pferd in seinen Bewegungen behindern und stören kann. Sie erhielten Tips und Anregungen, um ihre Pferde geschmeidiger und dadurch auch einfühlsamer reiten zu können.

Rashids „finding the try“ zog sich praktisch durch alle Übungseinheiten sowohl vom Sattel, als auch vom Boden aus. Wann immer du erkennst, dass dein Pferd einen Versuch in die richtige Richtung unternimmt, das kann ein minimales Zeichen wie eine Gewichtsverlagerung, eine Kopf- oder auch nur eine Ohrenbewegung sein, nimm den Druck weg und lass es die geforderte Bewegung ausführen.

Außerdem gab es jede Menge Tips und Anregungen und vor allem entsprechende Anleitungen für die Teilnehmer, um auch nach dem Kurs sinnvoll weitertrainieren zu können.

Mark Rashid & wirWie bei allen von mir besuchten Kursen mit Mark Rashid war ich auch diesmal wieder erstaunt, wie selbstverständlich es für alle Teilnehmer und Zuseher ist, fast ununterbrochen anwesend zu sein und trotz nicht sehr einladenden Temperaturen jede Minute zu nutzen um von Rashids Erfahrung im Umgang mit Pferden zu profitieren. Mark selbst verließ die Reithalle nicht einmal in der Mittagspause. Einen Burger, stehend an die Bande gelehnt zu essen, reichte ihm. Sogar während dieser kurzen Pausen stand er den Teilnehmern und Zusehern für die Beantwortung ihrer Fragen zur Verfügung.

Trotz jahrelanger eigener Erfahrung im Umgang und Training von Pferden und Reitern fand ich auch diesen Kurs wieder ausgesprochen lehrreich und informativ. Das Aufmerksamwerden auf kleinste Details und minimale Reaktionen macht für mich die Arbeit mit Pferden immer noch spannender und interessanter. Auch Andrea und Susi waren erfreulicherweise der Meinung, von diesem Kurs viel profitiert zu haben. Mir persönlich erschien Rashid noch kompetenter und vor allem im Umgang mit Teilnehmern und Zusehern wesentlich umgänglicher und freundlicher als ich ihn früher schon erlebt hatte.

StonehengeNach diesen vier Kurstagen nutzten Andrea, Susi und ich unsere Anwesenheit im Königreich für einen Kurzurlaub um wenigstens einen kleinen Teil Südenglands kennen zu lernen. Unter anderem ließen wir uns von Stonehenge beeindrucken, durchfuhren den New Forrest, wo ganze Herden von Ponies in natürlicher Freiheit leben dürfen, wanderten am Strand unter den schneeweißen Kreidefelsen bei den „Seven Sisters“ , besuchten das Schifffahrtsmuseum und den Spinnaker Tower in Portsmouth, bestaunten den Royal Palace in Brighton und schlenderten durch typische englische Badeorte an der Südküste. Das alles bei durchwegs schönem Wetter mit viel Sonnenschein und nur ganz wenig Regen – und das im November!

Wir drei haben sie sehr genossen, unsere interessante und schöne Reise nach England.

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