Stipp-Visite bei Mark Rashid und Ray Hunt in den USA, Tennessee – Juni 2001

Looking for a Better Way in Communication with Horses

“Considering The Horse”

Schon lange stand es auf meiner Wunschliste, einmal einen Blick auf die Arbeit von anerkannten Größen der “Horsemanship” persönlich zu werfen und vor kurzem war es endlich soweit, diesen Plan in die Tat umzusetzen.

hms0101Mitte Mai machten sich Daniela Donth, Inhaberin von Horsepoint-Reitsport in Wien 23, seit vier Jahren überzeugte Westernreiterin und “Horsemanshiplerin”, und ich auf den Weg nach Amerika, um an je einem Kurs mit Mark Rashid und Ray Hunt teilzunehmen. Unser Flug führte uns nach Chicago, wo wir einen Leihwagen übernahmen und uns auf schnellstem Weg zum ersten Kursort nach Rogersville in Tennessee aufmachten. Hier wurden wir von Linda Bertani und ihrem Mann Vic, den Organisatoren des viertägigen Kurses, auf ihrer Anlage Mendin´ Fences herzlichst begrüßt. Mit Linda gab es bereits seit Jänner intensiven e-Mail-Verkehr, um Anreise und Aufenthalt vorzubereiten.
Die Organisation dieser Clinic war optimal. So gab Mark bereits am Vorabend auf einer nahegelegenen Ranch eine kurze Demo seiner Methode, und Dr. Dave Siemens, med. vet. und Pferde-Chiropraktiker, referierte über Pferdefütterung, Zahnpflege und andere medizinische Belange rund ums Pferd. Während aller vier Tage unterstützten außer Dr. Siemens noch Trisha Wren aus Schottland und David Genadek, Sattlermeister und Präsident der “About the Horse Inc.” die Teilnehmer des Kurses. Dr. Dave Siemens war für die physische Fitness der Pferde, David Genadek für Sattel-Anpassung und Trisha für Sitzkorrektur zuständig.
Laut Mark Rashid ist das Training des Pferdes das Letzte, woran man denken sollte. Erst, wenn alle anderen Voraussetzungen in Bezug auf Gesundheit, Fitness und Ausrüstung stimmen, sollte man sich um das Training seines Pferdes kümmern.

hms0103Bereits um acht Uhr in der Früh ging es los mit dem ersten Kursteilnehmer. Mark arbeitete mit jedem Teilnehmer einzeln vorerst im Round-Pen, im Verlauf des Kurses dann auch auf dem großen Reitplatz der Farm. Bei den Pferden waren Angehörige der unterschiedlichsten Rassen vertreten: Das Spektrum reichte vom Warmblut und Quarter Horse über Araber bis zu Tennessee Walkern, Morgan Horses und Mischungen dieser Rassen. Mark ging auf die Probleme jedes einzelnen Pferd-Reiter-Paares gezielt ein, ob es sich nun um Dominanzschwierigkeiten bereits vom Boden aus, Probleme bei Versammlung, Galoppwechsel, Tempokontrolle oder Anhalten, oder bei den Gangpferden um den richtigen “Gate” handelte. Jeder der Aktiven konnte in diesen Einzelsequenzen jede Menge lernen und Anleitungen für das weitere Training mitnehmen.

Überzeugend waren die Ruhe und die fast grenzenlose Geduld, mit der Mark die einzelnen Übungen erklärte und korrigierte. Durch die genauen Erklärungen konnten Zuseher wie Teilnehmer seine Trainingsmethoden bestens nachvollziehen. Marks Einfühlungsvermögen, die Psyche der Pferde betreffend, und sein System von “one on one” – Schritt für Schritt (löse ein Problem nach dem anderen, vermeide, zuviel auf einmal zu verlangen!) führte zu erstaunlich raschen Fortschritten. Seine Einstellung und seine Handlungen basieren stets darauf, die jeweilige Situation aus der Sicht des Pferdes zu betrachten. Außerdem verzichtet er auf spezielle Hilfsmittel, denn die Pferde sollen ihn als Persönlichkeit respektieren und nicht auf verschiedenes “Werkzeug” reagieren.

hms0102Es war jedenfalls eine großartige Sache, bei diesem Kurs dabei zu sein, und Mark Rashid vier Tage lang von acht Uhr früh bis spätabends bei seiner Arbeit zu beobachten. Ein großes Dankeschön gilt auch den Veranstaltern Linda und Vic, die sich unermüdlich um das Wohl aller Anwesenden kümmerten.
Mark Rashid befasst sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit Pferden und bemüht sich seither, seinen eigenen ruhigen, aber sehr effektiven Weg zur Lösung auch der schwierigsten Probleme mit Pferden zu finden.

Er hat übrigens drei Bücher geschrieben, in denen er in humoriger und informativer Weise Geschichten und Erfahrungen aus seinem Leben mit Pferden schildert. Sein erstes Buch “Considering the horse” ist auch in deutscher Sprache unter dem (leider unpassenden) Titel “Der auf die Pferde hört” erschienen (vorgestellt in WN 2/99). Die darauffolgenden Werke “A good horse is never a bad color” und “Horses never lie” waren lange Zeit nur in englischer Fassung erhältlich. Erfreulicherweise kam vor kurzem das dritte Buch unter dem Titel “Denn Pferde lügen nicht” in deutscher Sprache auf den Markt Wenn du mehr über Mark erfahren möchtest sieh doch mal auf seine Homepage unter www.markrashid.com

Nach diesen erfahrungsreichen vier Tagen fuhren wir Richtung Indiana, nach Springville, um nun auch Ray Hunt und seine Trainingsmethoden kennen zu lernen. Aufgrund der Tatsache, dass sich die meisten in unseren Breiten bekannten Horsemanship-Trainer, wie auch Pat Parelli und Monty Roberts, auf Ray als einen ihrer Lehrer berufen, waren unsere Erwartungen ziemlich hochgeschraubt. Einigermaßen überraschend war dann doch, was wir hier zu sehen bekamen.

Ray und Carolyn Hunt hielten auf der Bar P Ranch gleich drei Kurse (Colt-Starting, Horsemanship und Cow-Working) gleichzeitig innerhalb von vier Tagen ab.
Begonnen wurde mit dem “Colt Starting Programm”, dem Jungpferdeanreiten mit fünf Teilnehmern. Nach kurzer vorbereitender Bodenarbeit im Round-Pen, der in der Halle aufgebaut war, wurden die Pferde problemlos gesattelt und dann wieder auf den Zirkel geschickt. Als Ausrüstung dienten Schnurhalfter mit Führseil und ein gertenartiger Metallstab mit Flagge. Nach kurzfristigem Buckeln, das seltsamerweise von Trainer und Zusehern mit fröhlichem Gelächter begrüßt wurde, sollten sich die Besitzer kurz über die Sättel legen. Anschließend wurden die gesattelten Pferde gemeinsam in den freien Hallenteil entlassen, wo sich auch Rays vier mitgebrachte Jungpferde aufhielten, die eine ziemlich dominante, zusammengeschweißte Herde bildeten.
Am nächsten Morgen sollten die Reiter Ray mit den bereits gesattelten und mit Schnurhalfter gezäumten Pferden erwarten. Dann wurden alle fünf Jungpferde gemeinsam in den Round-Pen gebracht und die Reiter stiegen auf. Ray, selbst zu Pferd, schickte die Pferde samt Reiter im Kreis. Der vorhandene Raum war für die sechs Pferde ziemlich eng. Die Reiter sollten die Pferde traben, wenden und durch Biegen mit dem Führseil anhalten. Das spontane Werfen des Führseils bzw. Zügels über die Pferdeköpfe wurde von manchen Tieren überraschend gelassen hingenommen, andere gerieten doch in ziemliche Erregung, eine Stute stürzte mitsamt ihrem Reiter.
Nach der Mittagspause folgte das Horsemanship-Training. Die zehn Teilnehmer (klassisch, western, freizeitmäßig ausgerüstet) erwarteten Ray in der Halle. Dann konnten wir beobachten, wie Ray mit seinen eigenen Pferden umzugehen pflegt. Über die Methoden wie eine junge verschreckte Stute zum ersten Mal gezäumt wurde und danach nicht wieder abgezäumt werden konnte, möchte ich hier nicht näher eingehen.
Die etwas indignierten Kursteilnehmer wurden dann von Ray auf den Hufschlag geschickt, schneller Schritt, langsamer Trab, Handwechsel und Anhalten wurden verlangt. Außer Kommandos für Gangart- oder Richtungswechsel gab es keine Hilfen oder Korrekturen. Auf vorsichtige Fragen der Teilnehmer bezüglich irgendwelcher Probleme (z. B. Probleme mit dem Gebiss oder mit zu schneller Gangart) wurde nicht wirklich eingegangen. Nach ca. 45 Minuten war dieser Kursteil vorüber und es ging zum Cow-Working. Acht Teilnehmer und Carolyn Hunt versuchten sich unter Rays Anleitung im Cutting.

Schade, dass wir von diesem Kurs nicht mehr Erfreuliches berichten können, aber da unsere Erwartungen hier leider ganz und gar nicht erfüllt wurden, verzichteten Daniela und ich auf die weiteren zwei Kurstage.

Nichtsdestotrotz war diese Reise eine großartige Sache, wir konnten viele neue Eindrücke mitnehmen und hoffen auf eine baldige Fortsetzung.